Was ist Leerstand?

Unter Leerstand versteht man leerstehende und dadurch ungenutzte Grundstücke, Mietobjekte oder andere Räumlichkeiten. Das können Wohnungen, Geschäfte oder ähnliches sein.

 

Hierfür gibt es verschiedene Gründe, wie etwa Probleme in der Finanzierung von anfallenden Sanierungen, aber auch Spekulationen von Mietobjekten sind häufige Ursachen. Trotz großer Nachfrage, vor allem in Großstädten, werden rund 1 Mio. Mietobjekte (Wiener Wohnbauforschung (MA 50) 2015, Wien) nicht bewohnt oder genutzt. Die Stadt Wien nennt in Summe 10.000 längerfristig bzw. dauerhaft nicht genutzte Objekte (definitiver Leerstand). Über die tatsächliche Zahl kann man nur spekulieren: die genaue Zahl ist schwer erörterbar, denn oft handelt es sich um Nebensitze. Außerdem gibt es in Österreich keinen verpflichtenden Leerstandsmelder (wie etwa in der Schweiz). Die Dunkelziffer liegt vermutlich um einiges höher, zählt man leerstehende Erdgeschoss-Objekte (Lokal-/Geschäftesterben), verlassene Wohnungen/ Häuser und andere Grundstücke, Lagerhallen uvm. (1)

„Seit 2008 beschäftigt sich die IG Kultur Wien verstärkt mit den Themen Leerstand, Freiraum & (Nach-)nutzung. Hohe und weiterhin steigende Raumnutzungskosten sind oft der maßgebliche Umstand, an dem künstlerisch-kulturelle, sozio-kulturelle, soziale und politische Initiativen scheitern. Sei es, dass die Betreiber_innen auf Dauer unleistbare Energien aufbringen müssten, um sowohl unkommerziell arbeiten zu können als eben auch ein Einkommen zu generieren; oder dass sie aufgrund von Ressentiments erst gar keinen Mietvertrag bekommen.
Ein unkommerzielles, freies, experimentelles Kultur-/Schaffen wird sukzessive verunmöglicht.
Gleichzeitig gibt es in Wien einen derzeit zahlenlosen, aber sehr offensichtlichen Leerstand. Wie dieser in Zukunft sinnvoll genutzt und für die Bewohner_innen der Stadt als Ressource zur Verfügung stehen kann, ist eine brisante politische Frage.
Um den Themenkomplex wissenschaftlich zu erfassen, wurde von der IG Kultur Wien mit dem Jahr 2010 eine Studie mit dem Titel “Perspektive Leerstand“ lanciert, die sich in mehrere Teile gliedert.“ (2)

Der Nutzer_innenbeirat möchte insbesondere auf die Notwendigkeit der Freigabe von stadteigenen Immobilien hinweisen! Bisher war und ist es oftmals nicht möglich im Falle einer Vergabe von Privatobjekten, eine längerfristige oder dauerhaft Nutzung zu garantieren. Der Beirat fordert mehr Projekte wie das Amerlinghaus, WUK oder Arena.

Um sozial-, kultur- und kunstbezogen frei, leistbar und unkommerziell arbeiten und leben zu können, sollte das wachsende Leerstandsproblem in die Hand genommen werden und die Vergabe von Leerstandsobjekten mittels Transparenz und Chancengleichheit umgesetzt werden.

 

LEERSTANDSMELDER 

Nach heftiger Kritik aufgrund verweigerter Lösungssuche bezüglich der Leerstandsproblematik an die Stadt, wurde durch Einsatz der IG Kultur Wien, ein zweisprachiger Leerstandmelder (Student_innen Projekt aus Hamburg) online gestellt, in welchem registrierte User mittels interaktiver Karte Leerstand melden beziehungsweise verzeichnen können. Wodurch auch der oftmals kostspielige Vermittlungsweg ausgespart wird (Immobilienbüros). Der Nutzer_innenbeirat fordert einen Leerstandsmelder nach Schweizer Vorbild, um Transparenz in der Verteilung von Leerstandsobjekten zu gewährleisten, aber vor allem auch die individuellen Bedürfnisse von potenziellen Nutzer_innen kommunizieren zu können. Diese Nutzungs-Kriterien werden dringend gebraucht, um unter anderem Barrierefreiheit oder soziale & andere funktionale Konstellationen von unterschiedlichen Projekten zu garantieren.

 

WER GEHT LEER AUS? 

„Wie kann Stadt Raum für alle sein und Selbstbestimmung und Selbstverwaltung in der Praxis ermöglichen? Leerstand ist ein Produkt der (neo-)liberalen Stadtentwicklung, ein Riss im Schleier kapitalistischer Raumordnung. Leerstand eröffnet neue Denk- und Handlungsräume und kann Einstiegspunkt für einen alternativen Umgang mit drängenden städtischen Problemen sein. Leerstand ist kein isoliertes Teilproblem, sondern berührt Fragen, die alle angehen“ 

Das Buch „Wer geht leer aus?“ diskutiert Themen wie die Urban-Commons-Debatte, den spezifischen Wiener Wohnungsmarkt, Delogierungen in Wien, die globalen neoliberalen Umstrukturierungsprozesse oder Konzepte der partizipativen Architektur. 

Oder: ISBN 978-3-902796-19-6

 

(1)
(2)
(3)